Du überlegst, ob ein Social Walk etwas für Deinen Hund sein könnte? Vielleicht hast Du den Begriff schon mal gehört und Du weißt gar nicht so richtig, was dort passiert.
Was ist ein Social Walk – und was nicht?
„Social Walk“ ist kein geschützter Begriff. Das bedeutet: Jeder Hundetrainer kann etwas anderes darunter verstehen. Manche Trainer organisieren lockere Gruppenläufe ohne Struktur, andere setzen auf strenge Regeln und Abstand zwischen den Hunden. Es gibt Social Walks mit Freilauf und solche ausschließlich an der Leine.
Für mich bedeutet Social Walk: ein Lernspaziergang. Die Hunde lernen in einer realistischen Alltagssituation – nämlich beim gemeinsamen Spaziergang – mit anderen Hunden entspannt umzugehen. Das ist der Kern des Formats, auch wenn die konkrete Umsetzung von Trainer zu Trainer unterschiedlich sein kann.
Wie Social Walks ablaufen
Bei meinen Social Walks treffen wir uns in kleinen Gruppen und machen gemeinsam einen Spaziergang mit kleinen Übungen. Alle Hunde bleiben dabei an der Leine.
Der Ablauf im Detail
Bei meinen Social Walks treffen sich alle an einem vereinbarten Punkt. Die Hunde sollten sich nicht direkt begrüßen oder beschnüffeln. Das mag erstmal komisch klingen, hat aber einen guten Grund: Viele Hunde sind beim Ankommen noch sehr, sehr aufgeregt. Eine direkte Begegnung könnte die Anspannung eher erhöhen als senken.
Stattdessen startet die Gruppe mit ausreichend Abstand zwischen den einzelnen Mensch-Hund-Teams, der sich in der Regel sehr schnell reduziert. Während des Spaziergangs bei meinen Social Walks baue ich verschiedene kleine Übungen ein, wie z. B.
- Tempowechsel (langsam gehen, zügig laufen, stehen bleiben)
- Kurze Schnüffel- oder Suchspiele am Wegesrand
- Spiele mit Ablenkung
Was Hunde bei Social Walks wirklich lernen
1. Entspannte Nähe zu Artgenossen
Der wichtigste Lerneffekt: Im Verlauf des Spaziergangs können bei meinen Social Walks die Abstände zwischen den Hunden kleiner werden – natürlich nur, wenn alle Hunde entspannt sind. So lernen die Vierbeiner, dass auch geringerer Abstand zu anderen Hunden keine große Sache ist.
Das ist besonders in der Stadt relevant: Im Englischen Garten, an der Isar oder beim Spaziergang durchs Glockenbachviertel lassen sich enge Hundebegegnungen nicht immer vermeiden. Ein Hund, der gelernt hat, dass Nähe okay ist, hat deutlich weniger Stress im Alltag.
2. Ruhe in Anwesenheit anderer Hunde
Dein Hund erfährt bei meinen Social Walks, dass andere Hunde einfach da sind. Gerade in München, wo auf Gassi-Runden die Hundedichte oft hoch ist, können Hunde so lernen: „Aha, andere Hunde sind normal. Ich muss weder aufgeregt hinrennen noch mich verteidigen.“
3. Orientierung am Menschen
Bei meinen Social Walks lernt Dein Hund, sich trotz anderer Hunde immer wieder an Dir zu orientieren.
Diese Orientierung funktioniert nicht durch Dauerleckerli oder ständiges Ansprechen, sondern durch die Struktur des gemeinsamen Laufens. Dein Hund merkt: Wenn ich bei meinem Menschen bleibe und mitlaufe, ist alles entspannt.
4. Ruhe beim Warten
Ein unterschätzter Lerneffekt: Bei meinen Social Walks bleibt die Gruppe zwischendurch stehen – zum Beispiel wenn ich etwas erkläre. Dein Hund lernt dabei, auch in Anwesenheit anderer Hunde ruhig zu warten. Für Hunde, die sonst beim Anblick von Artgenossen aufdrehen, ist das eine wertvolle Erfahrung.
Für welche Hunde sind Social Walks geeignet?
Gut geeignet sind Social Walks für
- Hunde, die an der Leine zu anderen Hunden wollen
- Hunde, die bei Hundebegegnungen unsicher sind oder sich zurückziehen möchten
- Junghunde, die lernen sollen, dass nicht jeder Hund zum Spielen da ist
- Hunde, die neu in München sind und noch keine Routine bei Hundebegegnungen haben (zum Beispiel Tierschutzhunde)
- Hunde, die grundsätzlich entspannt sind, aber noch an ihrer Leinenführigkeit arbeiten sollen
Weniger geeignet sind sie für
- Hunde mit massiver Leinenaggression, die andere Hunde attackieren würden – hier braucht es erstmal Einzeltraining
- Sehr ängstliche Hunde, für die eine Gruppe zu viel Stress bedeutet – auch hier ist Einzeltraining der bessere Start
- Hunde, die bei Hundebegegnungen stark bellen und bereits sehr aufgeregt sind – das ist nur Stress für Mensch und Hund und macht das Lernen unmöglich
Im Zweifelsfall lohnt sich vorher ein kurzes Gespräch mit dem Trainer, um einzuschätzen, ob Dein Hund schon bereit für die Gruppensituation ist.
Warum die Leine bleibt
Ein häufiges Missverständnis: „Social Walk klingt nach Sozialkontakt, also müssen die Hunde doch spielen!“ In meinen Social Walks geht es genau darum, dass Hunde lernen können, dass die Anwesenheit anderer Hunde nicht nur gemeinsames Spielen bedeutet.
Tipps für Deinen ersten Social Walk
Vor dem Start
- Dein Hund sollte nicht vorher ausgepowert sein – ein müder Hund ist weniger aufnahmefähig.
- Nimm Leckerli und etwas zu Trinken für Deinen Hund mit.
Während des Spaziergangs
- Beobachte Deinen Hund: Ist er entspannt oder angespannt? Hechelt er stark? Schaut er ständig zu den anderen?
- Wenn Du Fragen hast, sprich mich gerne direkt an.
- Wenn ich das Gefühl habe, die Situation überfordert Deinen Hund gerade, würde ich auch mal empfehlen, dass es besser für Euch ist, wenn Ihr nach Hause geht
Nach dem Spaziergang
- Gönne Deinem Hund Ruhe – bei Social Walks erlebt Dein Hund ganz viel. Und das verarbeitet man am besten im Schlaf.
München-spezifische Herausforderungen
In München gibt es einige Besonderheiten, die Social Walks besonders sinnvoll machen:
Hohe Hundedichte:
In Vierteln wie Au-Haidhausen, Giesing oder Schwabing begegnet man auf jedem Spaziergang mehreren Hunden. Ein Hund, der gelernt hat, entspannt an anderen vorbeizugehen, hat hier deutlich mehr Lebensqualität.
Enge Gehwege:
Im Glockenbachviertel oder der Altstadt lassen sich oft keine große Abstände einhalten. Dein Hund sollte deshalb auch bei geringerer Distanz zu Artgenossen cool bleiben können.
Trubel an der Isar:
An schönen Tagen sind die Isarauen voll mit Menschen und Hunden. Für viele Münchner Hunde kann das ein Stressfaktor sein, den man durch Training deutlich entspannen kann.
Social Walks ersetzen kein individuelles Training
Wichtig zu verstehen: Social Walks sind eine super Ergänzung, aber kein Allheilmittel. Wenn Dein Hund grundsätzliche Probleme mit Hundebegegnungen hat – zum Beispiel massive Leinenaggression oder Angst – brauchst Du individuelles Training.
Fazit: Social Walk als Alltagstraining
Ein gut organisierter Social Walk bietet Deinem Hund die Möglichkeit, in einer kontrollierten Gruppensituation zu lernen, wie entspannte Hundebegegnungen funktionieren. Er lernt vor allem, dass Nähe zu anderen Hunden okay ist, dass Artgenossen einfach da sein dürfen, dass Ihr eine schöne gemeinsame Zeit habt und dass Orientierung an Dir sich lohnt.
Gerade in einer Großstadt wie München, wo Hundebegegnungen zum Alltag gehören, ist das eine wertvolle Fähigkeit. Nicht jeder Hund muss mit jedem anderen Hund Best friend werden – aber jeder Hund sollte lernen können, entspannt an Artgenossen vorbeizugehen.
Da der Begriff nicht geschützt ist, lohnt es sich, vorher zu fragen, wie ein Social Walk beim jeweiligen Trainer konkret abläuft. So findest Du das Format, das am besten zu Deinem Hund passt.
